Die Wissenschaft hinter dem „Bewegungs‑Meditations‑Hybrid“

In einer Welt, in der Stress nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist, suchen immer mehr Menschen nach Methoden, die sowohl körperliche Fitness als auch mentale Stabilität fördern. BailongBall ist genau diese Kombination: ein dynamisches Spiel, das Elemente des TaiQi mit mit westlichem Racketsport auf eine so gesunde Weise verbindet, dass es einen messbaren Einfluss auf unser Nervensystem, unseren Stoffwechsel und sogar unsere soziale Bindung haben kann.

Der Vortrag von Fritjof Nelting anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der TBBF im Oktober 2025 liefert ein überraschend tiefes Bild davon, wie das Training physiologische Stressreaktionen moduliert, welche hormonellen Mechanismen dabei eine Rolle spielen und warum BailongBall sich nahtlos in jede sportliche Routine einfügen lässt – ohne andere Disziplinen zu verdrängen.

In dieser Blogbeitragsserie fassen wir Dir die wichtigsten Erkenntnisse mit praktischen Aspekten verknüpft aus Fritjofs Vortrag zusammen. Egal ob Du BailongBall in dein Training oder Unterricht einbauen möchtest oder Dich vor allem für die Gesundheitsaspekte unserer Sportart interessiert – diese Serie gibt Dir wichtige, interessante und tiefgreifende Hintergrundinformationen.

Du erinnerst Dich vielleicht noch an unser Update „Ruhe, Gelassenheit, Absichtslosigkeit und BailongBalls Rolle„? Dort hatten wir Fritjof kurz vorgestellt, von seinem Vortrag zum Anlass des 20-jährigen TBBF-Jubiläums erzählt und Dir Details über seine Einblicke angekündigt. Und hier ist die Blogserie dazu. In Teil 1 erläutert Fritjof welche Rolle Stress in unserem heutigen Alltag einnimmt und was er für einen Einfluss auf unsere Hormone hat.

1. Stress – vom evolutionären Notfall bis zur modernen Belastung

Unser Alltag ist gesäumt von Vielem und meist Gleichzeitigem und Stress ein gern abgeleiteter Begriff. Bevor wir also unseren Sport genauer betrachten und seinem Einfluss auf unsere physische und psychische Gesundheit, lohnt sich ein Blick auf das, was sich als Gesundheitshindernis entpuppen kann – der Stress.

Der ursprüngliche Sinn von Stress

Als einleitendes Thema greift Fritjof daher zunächst den evolutionären Kontext von Stress auf und was bei Stress passiert: „…der Körper schaltet in einen Energiespar Modus, … jetzt geht alles Richtung Bewegung, fight or flight.“ In einer echten Gefahrensituation war das sinnvoll – schnelle Energie für Flucht oder Kampf. Und das war z.B. für unsere Vorfahren essenziell, vor allem in den Zeiten, in denen sie regelmäßig als „Beutetiere“ auf dem Speiseplan von Säbeltiger & Co. standen.

Was passiert heute?

Im modernen Alltag gibt es jedoch kaum echte Raubtiere mehr; stattdessen wirken dauerhafte Anforderungen (von Arbeit über soziale Medien, finanzielle Sorgen und vielem mehr) als chronischer Stressor. Der Körper reagiert trotz nicht-immanent lebensbedrohlichen Situationen mit denselben hormonellen Signalen: Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet, um kurzfristig Energie zu mobilisieren.

Energiemanagement und Kreativität

Ein zentrales Ergebnis ist, dass kreative Denkprozesse unter starkem Druck leiden: Der Körper priorisiert Bewegung über komplexe geistige Arbeit. Fritjof erklärt: „Wir sind unter Druck nicht mehr in der Lage, kreative Gedanken tatsächlich zu denken.“ Das erklärt, warum viele Menschen in akuten Krisen das Gefühl haben, festzustecken.

2. Hormone im Fokus – Cortisol, Insulin, Leptin und ihre Effekte

Cortisol – das zentrale Stresshormon im Alltag

Cortisol, so stellt Fritjof heraus, ist die „erste chemische Antwort des Körpers auf Stress“. Damit wir schnell handlungsfähig werden in gefährdenden Situationen, also in unserem alltäglichen Stress wie oben beleuchtet, schüttet die Nebenniere Cortisol aus. Das Hormon mobilisiert Glykose aus den Speicherreservoirs, erhöht den Blutzuckerspiegel und sorgt dafür, dass Muskeln und Gehirn sofort Energie haben. Gleichzeitig werden weniger dringende Prozesse (z. B. Verdauung, Reparaturmechanismen) temporär heruntergefahren – der Körper befindet sich im klassischen Fight‑or‑Flight-Modus. Der Nutzen ist kurzfristig und dennoch: In dieser Phase ist Cortisol also ein nützliches Schutzsystem; es ermöglicht uns, schnell zu reagieren und die nötige Kraft aufzubringen.

Insulin – die verschobene Balance

Cortisol erhöht damit den Blutzucker – denn in akuten Stresssituationen sorgt Cortisol dafür, dass mehr Glukose aus der Leber freigesetzt wird (Gluconeogenese). Das führt zu einem spontanen Anstieg des Blut-Zuckers. Doch kommt es zu ständigen Zucker-Peaks fordert dies das Insulin-System – weil die Stressoren im Alltag häufig und wiederkehrend sind, muss das Pankreas immer wieder große Mengen Insulin produzieren. Fritjof beschreibt den daraus resultierenden Kreislauf:

„Wenn wir dauerhaft viel Glukose ausschütten, muss mehr Insulin produziert werden … das ist ein Teufelskreis, der zu einer Insulin-Resistenz führt.“

Leptin – wenn der Stress dick macht

Doch wohin mit all dem Zucker? Und vor allem, was wenn die Muskeln all die durch Stress erzeugte Energie gar nicht brauchen (da der Stress sich ja oft im Kopf abspielt) und durch unsere heutigen oft automatisierten Alltagsroutinen (passiv fahren statt laufen, sitzen statt stehen, etc.) immer weniger Bewegung und damit Muskelarbeit erfordern? Dann fließt die Energie sozusagen in Fettgewebe statt in Muskeln, den irgendwo muss sie ja hin. Und je weniger wir uns bewegen, desto mehr wird Muskelmasse in Fettgewebe umgewandelt. Je älter wir sind, desto dramatischer der Effekt.

Und damit zum Leptin: es wird hauptsächlich in den Fettzellen gebildet und signalisiert dem Gehirn über den Hypothalamus, dass genügend Energie vorhanden ist („Ich bin satt“). Fritjof nennt es das „schlanke Hormon“ (Shou Su), denn wer satt ist, nimmt in aller Regel auch keine Kalorien auf.

Dauerhafter Stress geht zusätzlich häufig mit einer erhöhten systemischen Entzündung einher. Diese Entzündungsmediatoren können die Blut Hirn Schranke beeinträchtigen, sodass das Leptinsignal dann nicht mehr zuverlässig beim Gehirn ankommt. Dazu kommt, je häufiger wir als Folge des Stresses und vielleicht sogar auch fettiger essen, desto mehr Leptin wird gebildet, was wiederum zu einer Resistenz führen kann – das Zuviel wird irgendwann vom zentralen Nervensystem dann nicht mehr wahrgenommen.

Fritjof erklärt: „Wenn wir zu häufig abends sagen, das habe ich mir jetzt verdient … dann produzieren wir mehr Leptin. Am Anfang kommen mehr Signale, aber wir werden relativ schnell Leptin resistent, sodass das Gehirn sagt: gib mir mehr Essen.“
Die Folge: wir nehmen zu…

 

Soviel zu den chemischen Reaktionen in Deinem Körper, wenn Stress die Hormone durcheinanderwirbelt. Im nächsten Teil dieser Serie erläutert Fritjof, wie BailongBall den Folgen von Stress entgegen wirken kann. Solltest Du Dir nicht entgehen lassen 😉

Fritjof Nelting
BailongBall Instructor

Mike Ritz
BailongBall Instructor

2 Meinungen zu “Wie BailongBall Körper und Geist in Balance bringt – Teil 1: Stress & Hormone

  1. Estika sagt:

    Sehr verständlich und zugleich fundiert erklärt. Besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen Bewegung, Stresshormonen und innerer Balance – das macht deutlich, warum sanfte, koordinative Trainingsformen wie Bailongball so wirksam sein können. Eine schöne Einladung, Körper und Geist wieder bewusster miteinander zu verbinden.

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